Klimawandel, Klimakrise, Klimarettung

Der Wettlauf gegen die Erderwärmung.

Vier Jahre sind seit Inkrafttreten des Pariser Klimaabkommens zur Begrenzung der Erderwärmung vergangen. Dennoch nahm der weltweite Ausstoß des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid bis 2019 weiter zu, zeitweilig sogar im Rekordtempo. Die Zunahme von CO2 in der Atmosphäre gilt als Hauptverursacher der Erderwärmung.

Im Jahr 2019 stagnierten die globalen CO2-Emissionen, was für den Klimaschutz nicht ausreicht. Notwendig ist eine Verringerung des CO2-Ausstoßes.

Erforderliche CO2-Minderung für das 1,5-Grad-Ziel

Um die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius – dem optimalen Ziel des Pariser Klimavertrags – einzudämmen, müssten die weltweiten CO2-Emissionen im laufenden Jahrzehnt jedes Jahr um 7,6 Prozent abnehmen. Das haben Klimawissenschaftler im jüngsten „Emissions Gap Report“ der Vereinten Nationen errechnet.

Diese Quote könnte 2020 wegen des Einbruchs der Weltwirtschaft infolge der Corona-Pandemie sogar erreicht werden. Entscheidend für das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels ist aber, ob es einen solchen Rückgang der CO2-Emissionen auch während der übrigen neun Jahre dieses Jahrzehnts geben wird. Und ob anschließend bis 2050 die Welt vollständig klimaneutral werden wird.

Die Forderung nach einer Klimawende wächst

Von der fortschreitenden Erderwärmung fühlen sich immer mehr Menschen bedroht. Kinder und Jugendliche sind davon in ihrem Leben am meisten betroffen. Die globale Jugendbewegung „Fridays for Future“ fordert lautstark von der Politik, energischer gegen den Klimawandel vorzugehen und die Erderwärmung auf erträgliche 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Mit den gegenwärtigen internationalen Verpflichtungen zum Klimaschutz ist dieses Ziel nicht zu erreichen. Bleibt es bei den im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Reduktionsmengen an Treibhausgasen, kommt es nach Berechnungen der Klimawissenschaftler bis Ende dieses Jahrhunderts zu einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um etwa drei Grad Celsius. Bei einem solchen Szenario würde es schon lange vorher nicht mehr um Klimawandel, sondern um Klimarettung gehen.

Der Klimawandel schreitet voran

Im Juni stufte die amerikanische Umweltbehörde NOAA den davorliegenden Monat Mai als wärmsten ein, der jemals weltweit gemessen wurde. Ende Juni meldete der russische Wetterdienst „extrem anomales Wetter“ mit Temperaturen bis zu 38 Grad Celsius in Sibirien jenseits des Polarkreises.

Mitte August meldete der amerikanische Wetterdienst die höchste jemals auf der Erde gemessene Temperatur. Im kalifornischen Death Valley war es 54,4 Grad Celsius heiß.

Ende August zog der Deutsche Wetterdienst für den Sommer 2020 Bilanz: rund zwei Grad Celsius wärmer als im langjährigen Durchschnitt und in vielen Teilen der Bundesrepublik zu trocken.

Im September verzeichneten die amerikanischen Westküstenstaaten Kalifornien und Oregon die schwersten Waldbrände ihrer Geschichte. Die Brände verwüsteten insgesamt ein Fläche von über zwei Millionen Hektar, was in etwa der Größe von Hessen entspricht.

Im Laufe der diesjährigen Hurrikan-Saison gab es in der Karibik so viele schwere Stürme wie nie zuvor.

Schaffen wir rechtzeitig die Klimawende?

Zu wenig gegen die brandgefährliche Erderwärmung zu tun, kostet der Weltgemeinschaft infolge der immer heftigeren Extremwetterlagen mit ihren Folgen für Mensch und Natur auf Dauer am meisten. Diese Binsenweisheit könnte in den nächsten Jahren zu verstärkten internationalen Anstrengungen führen, den globalen CO2-Ausstoß ausreichend und nachhaltig zu reduzieren.

Derzeit aber ist der Klimawandel schneller als wir, mahnte vor einiger Zeit UN-Generalsekretär António Guterres. Ob die Menschheit den Wettlauf gegen die Erderwärmung doch noch gewinnt, wird sich nach Ansicht der meisten Klimawissenschaftler in den 2020er-Jahren vorentscheiden.